Am 8. September ist es wieder so weit: Wir feiern den Internationalen Tag der Physiotherapie (World PT Day). Ein Tag, der eigentlich dazu da ist, die wertvolle medizinische Arbeit von Therapeutinnen und Therapeuten weltweit ins Rampenlicht zu rücken.
Doch dieses Jahr geht es nicht nur um Gesundheitstipps und Prävention – besonders in der Schweiz geht es um die Existenz vieler Praxen.
Was steckt hinter dem Tag der Physiotherapie?
Der Aktionstag wurde 1996 durch den weltweiten Dachverband World Physiotherapy ins Leben gerufen, der selbst am 8. September 1951 in Kopenhagen gegründet wurde. Jedes Jahr steht der Tag unter einem bestimmten Motto:
- In Deutschland liegt der Schwerpunkt dieses Jahr auf der Bedeutung von körperlicher Aktivität bei der Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schlaganfällen.
- In der Schweiz hingegen wird der Tag für eine dringende politische Aktion genutzt: Den Kampf gegen den drohenden Spardruck im Gesundheitswesen.
Alarmstufe Rot: Die aktuelle Situation in der Schweiz
Ob nach einem Unfall, bei chronischen Rückenschmerzen oder zur Rehabilitation: Physiotherapie ist ein unverzichtbarer Pfeiler unserer Gesundheitsversorgung. Dennoch steht die Branche vor einer Zerreißprobe.
Der Verband Physioswiss schlägt Alarm: Eine qualitativ hochwertige und gleichzeitig kostendeckende Therapie ist unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kaum noch möglich.
Das Problem liegt im System:
- Veraltete Strukturen: Die Tarifstruktur des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) wurde seit fast 30 Jahren nicht mehr angepasst. Ein Ausgleich für die Inflation oder gestiegene Lebenshaltungskosten? Fehlanzeige.
- Massive Unterfinanzierung: Berechnungen von Physioswiss zeigen, dass Schweizer Praxen eine Unterfinanzierung von rund 30 % auffangen müssen.
Kurz gesagt: Die Therapeutinnen und Therapeuten erbringen 100 % Leistung, werden aber nur zu 70 % fair entschädigt.

Versteckte Arbeit, die niemand bezahlt
Warum ist das so? Bisher wird in der Physiotherapie meist über einen pauschalen Sitzungstarif abgerechnet. Viele administrative und organisatorische Aufgaben, die für eine gute Behandlung unerlässlich sind, bleiben dabei komplett unentschädigt:
- 📄 Lesen und Schreiben von medizinischen Berichten
- 📞 Rücksprachen und Fachaustausch mit Ärztinnen und Ärzten
- 📑 Abklärungen mit Krankenkassen
- 👥 Organisation und Gespräche mit Angehörigen
Eine Umstellung auf eine Abrechnung im 5-Minuten-Takt sowie die Abgeltung von Arbeiten ohne direkte Anwesenheit der Patienten würde für mehr Transparenz sorgen und den tatsächlichen Arbeitsaufwand endlich fair abbilden.
Welche Folgen hat das für uns Patientinnen und Patienten?
Wenn Praxen ihre Kosten nicht mehr decken können, müssen sie ihr Angebot anpassen oder verändern. Zusammen mit dem ohnehin spürbaren Fachkräftemangel führt das zu einem gravierenden Problem: Langen Wartezeiten auf Behandlungs- und Therapieplätze.
Am Ende leiden darunter diejenigen, die die Hilfe am dringendsten benötigen.
Jetzt aktiv werden: Kampagne «100% geben. 70% bekommen»
Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen und eine längst überfällige Tarifreform durchzusetzen, läuft noch bis Ende September 2026 die landesweite Kampagne «100% geben. 70% bekommen».
Wie du helfen kannst: Informiere dich über die Situation, sprich in deinem Umfeld darüber und unterstütze die Unterschriftensammlung für faire Taxpunkte und eine gesicherte physiotherapeutische Zukunft!
Setz dich mit uns für eine faire Gesundheit ein – unterstütze die Kampagne von Physioswiss!
http://www.physioswiss.ch/petition
Vielen Dank für deine Mithilfe!
herzlichst Andrea